
GENETIK / ZYTOGENETIK
Hryhoriy Levytsky
Viele Jahrzehnte lang galt die klassische Genetik in der Sowjetunion als Pseudowissenschaft und als politisch unerwünschtes Fachgebiet. Fachleute auf diesem Gebiet wurden verfolgt, verhaftet und unterdrückt, nur weil sie ihren wissen-schaftlichen Überzeugungen treu blieben.
Dennoch gelang es einzelnen ukrainischen Wissenschaftlern, die internationale Genetik entscheidend mitzuprägen. Zu ihnen gehörte der Zytogenetiker und Botaniker Hryhoriy Levytsky. Er prägte den Begriff „Karyotyp“ und leistete grundlegende Beiträge zur Systematisierung von Chromosomen sowie zur Erforschung ihrer Evolution und Mutationen. Levytsky war einer der Ersten, der durch ionisierende Strahlung verursachte Mutationen bei Pflanzen untersuchte und damit den Weg für weitere Forschungen ebnete. 1946 erhielt der amerikanische Wissenschaftler Hermann Muller den Nobelpreis für seine Arbeiten über die mutagene Wirkung von Röntgenstrahlung.
Als Muller seine Nobelpreisrede hielt, war Hryhoriy Levytsky bereits tot. 1933 wurde er im Zuge einer Kampagne gegen Genetiker erstmals verhaftet. Dank der Bemühungen lokaler und internationaler Wissenschaftskreise wurde er nach einem Jahr Verbannung freigelassen. 1937 wurde er erneut verhaftet, wenn auch relativ bald wieder entlassen. Seine dritte Verhaftung im Jahr 1941 überlebte Levytsky nicht: Er starb nach einem Jahr Haft.








